(…) Noch einmal schien es, dass wir, die Freundinnen, eine Chance hatten. Eine zweite Chance, die ziemlich ungewöhnlich, vor allem aber ausgelassen begann: Als der Regen nachließ, sammelten wir Papierfetzen in Koppkes Nachtlager. Stundenlang rissen wir es schweigend in tausende kleine Stücke. Unmengen dieser Streifen rieselten kurz darauf hinunter in die Straßen. Aber nichts passierte. Ein paar klitzekleine Gestalten blickten hoch, erkannten aber nichts. Niemand blieb stehen und niemand bückte sich nach den Fetzen. Nichts machte die Menschen dort unten noch neugierig. Der Sturm trieb das Papier die Häuserschluchten entlang; von hier oben sah es nach Schnee aus. Wie ein Flockenwirbel, der einen Moment lang die Tristesse der Plattenbauten ins Märchenhafte zog.
Der Jüngere ist nicht länger der Schwächere
(…) So braucht auch das wohl Jahre es zu begreifen: dass jene Überlegenheit, gespeist aus der zeitlichen Bedingtheit früherer Geburt – älter, größer, erfahrener zu sein – nicht ewig gilt. Dass in einem spitzen Winkel aufeinander zuläuft, was einen in jungen Jahren trennt. Dass die Distanz, auf die uns unsere verschiedenen Lebensalter gegenseitig halten schmilzt, je älter wir werden.
Und vor allem: dass eben jener Freiraum an Lebensjahren zwischen jung und alt sich auffüllt mit allem, was wir ein Leben lang horten: Erfahrungen, Erlebnissen, Wissen, Träumen, Enttäuschungen. So aufgefüllt aber wird der Graben zwischen den Jahren, zwischen Jung und Alt, begehbar. Der Ältere ist nicht mehr der Stärkere, nur weil er älter ist. Der Jüngere nicht mehr der Schwächere. Das begreifend, hätten wir die Chance schnell zahm zu werden und das uns selbst Machbare zu sehen. Sehen, was wir können und was wir wollen. (…)
aus: Im Nullpunkt, erschienen in „Mein Sommer mit Marleen“ (Erzählungen von Dietmar Haiduk)
Vom Schreiben für sich selbst
Frauen schreiben nur noch für Frauen und Männer nur noch für Männer? Wird Literatur nach den Erfolgen von Sarah Kuttner (Mängelexemplar) und Charlotte Roche (Feuchtgebiete) zur Geschlechterliteratur? mehr
Auftauen auf Hermannswerder
Das Verrückte an Potsdam ist, dass man keine drei Minuten mit dem Bike aus der Innenstadt braucht, um mit der Fähre nach Hermannswerder überzusetzen und sich mitten im Urlaub zu fühlen. Eine stille Euphorie breitet sich aus, nach dem langen Winter dort am Ufer zu sitzen und die Sonne untergehen zu sehen. Und irgendwie scheinen alle, die man in diesen Tagen trifft, nur noch zu lächeln: Sonne taut eben wirklich auf.
Frühling wird.
Nun scheint es ja endlich etwas werden zu wollen mit Sonne, blauem Himmel und lauen Abenden. Frühling ist angesagt für die nächsten Tage! Vorbei mit der Tristesse der letzten Monate. Endlich wieder draußen sitzen, auf der Wiese liegen und lesen. Zum Beispiel: „Venedig – literarische Intermezzi auf Brücken, Plätzen und Kanälen“ von Judith Rüber, Verlag Klett-Cotta. Das Buch beflügelt jedenfalls gerade meine Sehnsucht nach der Ferne … Oder man tut gar nichts, beobachtet einfach nur Menschen und lauscht dem vielstimmigen Durcheinander auf Bäumen und Sträuchern … Auf jeden Fall raus aus den eigenen Wänden. Vielleicht trifft man sich ja irgendwo …
Taschenbuchausgabe erschienen
Mein Sommer mit Marleen ist inzwischen auch als Taschenbuch in einer überarbeiteten Auflage erhältlich und u.a. über amazon.de lieferbar. (ISBN 9-783837-073775, 144 Seiten, 9,95 Euro)
„Marleen“ ist Buch des Monats
Mein Sommer mit Marleen ist Buch des Monats auf dem Kulturportal des Landes Brandenburg: „Mit klaren Worten, die von einer guten Beobachtungsgabe zeugen, erzählt Dietmar Haiduk von den Auf- und Ausbruchversuchen ganz normaler Menschen …“ mehr
kurze Selbstbemitleidung eines Autors …
Warum gibt man sich nicht einfach zufrieden mit dem, was geschafft ist? Warum beginnt anschließend immer auch die pingelige Suche nach Fehlern im neu aufgelegten Buch: mit dem Lineal werden die Abstände zwischen Textblock und Seitenrand nachgemessen, nur um entsetzt festzustellen: da fehlen 1,5 mm. Warum erscheint einem die Schrift plötzlich zu klein, die Sätze zu profan oder zu gebaut, das Foto etwas unglücklich gewählt, zu hell, zu dunkel, zu scharf, zu unscharf … ? Warum ist man so oft mit dem unzufrieden, was man erreicht hat und glaubt, es immer noch besser hätte machen können? Während die Leser – von all den pingelig aufgespürten Unzulänglichkeiten kaltgelassen – sich vielleicht einfach nur freuen, ein gutes Buch gekauft zu haben.
Vielleicht, weil diese ewige Unzufriedenheit das Einzige ist, was einen treibt, einfach das nächste Buch zu beginnen …
Fühlen …
Nun also halte ich tatsächlich das Buch in den Händen. Ein verrücktes Gefühl, wenn wieder einmal aus ersten Gedanken, gefolgt von ersten, niedergeschriebenen Worten und Sätzen, am Ende etwas sehr Reales entstanden ist: ein Buch, in dem die eigenen Gedanken tausendfach kopierbar – und für alle lesbar – offen gelegt sind. Man kann durch die Seiten blättern, am Papier riechen, den Schutzumschlag fast behutsam zurechtstreichen, um ihn bloß nicht vorzeitig zerfleddert zu sehen.
Jetzt, wo all das möglich ist, sollte ich überzeugt sein, dass dieses Buch nicht mehr bloß Phantasie ist …
Geschafft …
Es ist soweit. Endlich ist das Buch lieferbar: bei amazon.de, libri.de, buch.de, bei BoD.de und über 1.000 weiteren Online Buchshops … und natürlich in jeder Buchhandlung. Und das dann doch noch pünktlich Ende Mai, am letzten Tag … Trotzdem: alles alleine zu machen - vom Schreiben der Texte über die Gestaltung des Schutzumschlages, dazu die Flyer, die Webseiten & Blogs und ihre Pflege, die Werbetexte, die Verträge - all das ist mit einem gehörigen Aufwand verbunden. Man hat alles im Griff, man kann alles kontrollieren, man entscheidet selbst – aber es lenkt von dem ab, was wichtiger ist: zu schreiben. Dennoch werden auch die nächsten Bücher so entstehen >mehr
Unruhe in mir
Ich merke, wie ungeduldig ich werde. In kleinen Schritten geht es voran und natürlich dauert alles viel zu lange: endlich ist das Buchcover auf der BoD-Webseite eingestellt, endlich könnte ich auch mehr oder weniger gut entworfene E-Cards mit dem MARLEEN-Buchcover direkt vom Verlag aus an all jene verschicken, die sich für MARLEEN interessieren könnten. Aber ich werde mich hüten, für etwas die Trommel zu rühren, das ich selbst noch nicht druckfrisch in den Händen gehalten habe … Wer garantiert, dass ich nicht mit dem Druck, der Farbe, den übersehenen Rechtschreibfehlern, dem Entwurf des Schutzumschlag unzufrieden bin und alles einstampfe? Jetzt endlich will ich das gedruckte Buch in den Händen halten. Einen letzten prüfenden Blick darauf werfen und dann hoffen …
Endlich Druckfreigabe
Endlich die erhoffte Nachricht: das Buch ist beim Verlag zum Druck freigegeben und die ersten Bestellungen werden bearbeitet. Trotzdem scheint nicht alles optimal zu funktionieren: noch immer ist es nicht unter amazon.de zu finden. Aber auch das wird wohl nur noch wenige Tage dauern …
Die Tage vergehen …
Das Manuskript zu Mein Sommer mit Marleen ist seit einer Woche beim Verlag BoD. In der Woche nach Pfingsten soll es lieferbar sein. Ich bin gespannt, ob alles klappt …


